Volkstrauertag 2026

Der Volkstrauertag ist ein nationaler Gedenktag in Deutschland, der an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert. Er wird jährlich zwei Sonntage vor dem 1. Advent begangen und fällt somit in die zweite Novemberhälfte. Der Volkstrauertag steht im Zeichen des Gedenkens, der Trauer und der Mahnungen für den Frieden. Besonders wird an die Opfer der beiden Weltkriege sowie an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft erinnert, aber auch an alle, die durch Krieg, Terror oder politische Verfolgung ihr Leben verloren haben.

Inhaltsverzeichnis

Volkstrauertag
Volkstrauertag

Wann ist der Volkstrauertag (Datum)?

Der Volkstrauertag wird in Deutschland am zweitletzten Sonntag vor dem 1. Advent begangen, was ein Datum zwischen dem 13. und 19. November bedeutet. Er ist ein staatlicher Gedenktag, an dem an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert wird. Häufig finden Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt.

Volkstrauertag

Der Volkstrauertag ist ein bedeutender nationaler Gedenktag in Deutschland, an dem wir der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erinnern. Jedes Jahr am vorletzten Sonntag vor dem ersten Advent versammeln sich Menschen in ganz Deutschland, um in stillem Gedenken innezuhalten und ein Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen. Dieser Tag hat eine bewegte Geschichte, die eng mit den Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft ist. In diesem umfassenden Artikel erfahren Sie alles über die Entstehung des Volkstrauertags, seine Bedeutung, die zentralen Gedenkveranstaltungen und wie dieser Tag heute in Deutschland begangen wird.

Volkstrauertag

Vorletzter Sonntag vor dem 1. Advent

Im Jahr 2025: 16. November

Was ist der Volkstrauertag?

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag in Deutschland, an dem wir der Opfer von Krieg, Gewalt und Terrorismus gedenken. Er findet jährlich am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent statt, also zwei Wochen vor Beginn der Adventszeit. Im Gegensatz zu vielen kirchlichen Feiertagen ist der Volkstrauertag kein religiöser, sondern ein nationaler Gedenktag, der vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ins Leben gerufen wurde.

An diesem Tag wird nicht nur der gefallenen Soldaten gedacht, sondern aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft: Zivilisten, die durch Kriegshandlungen ums Leben kamen, Verfolgte des Nationalsozialismus, Opfer der beiden Weltkriege, von Terrorismus und politischer Gewalt sowie alle Menschen, die aufgrund von Krieg, Vertreibung und Diktatur ihr Leben verloren haben.

Wichtige Fakten zum Volkstrauertag

Initiator: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Erste Durchführung: 1919 (Vorschlag) / 1922 (erste offizielle Durchführung)

Zeitpunkt: Vorletzter Sonntag vor dem 1. Advent (zwischen 13. und 19. November)

Charakter: Staatlicher, nicht-religiöser Gedenktag

Status: Stiller Feiertag mit gesetzlichen Einschränkungen

Zentrale Veranstaltung: Gedenkstunde im Deutschen Bundestag mit Bundestagspräsident und Bundespräsident

Gedenken für: Alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

Die Geschichte des Volkstrauertags

Die Geschichte des Volkstrauertags ist eng mit den dramatischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts verknüpft und spiegelt den Wandel der deutschen Erinnerungskultur wider.

1919 – Die Idee entsteht

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mit seinen über 17 Millionen Toten weltweit schlug der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Einführung eines nationalen Trauertages vor. Die Idee war, einen würdigen Rahmen für das Gedenken an die gefallenen Soldaten zu schaffen. Der damalige Reichstagspräsident Paul Löbe hielt eine bewegende Rede, in der er forderte: „Wir denken heute an die Opfer der Kriege. Wir wollen nicht vergessen!“

1922 – Erster offizieller Volkstrauertag

Am 5. März 1922 fand im Deutschen Reichstag die erste offizielle Gedenkstunde statt. Reichstagspräsident Paul Löbe hielt die Gedenkrede. Der Tag sollte vor allem den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet sein und zur Versöhnung zwischen den Völkern beitragen. Der Volkstrauertag wurde zunächst am fünften Sonntag vor Ostern begangen.

1933-1945 – Missbrauch durch die Nationalsozialisten

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Volkstrauertag 1934 umbenannt in „Heldengedenktag“ und auf den 16. März verlegt (den Tag der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht). Aus einem Tag der Trauer und Mahnung wurde ein Tag der Heldenverehrung und militärischen Propaganda. Der ursprüngliche Charakter des stillen Gedenkens ging verloren, stattdessen wurden martialische Aufmärsche und Kriegsverherrlichung inszeniert.

1945-1950 – Neubesinnung nach dem Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte es Zeit, um den Volkstrauertag in angemessener Form wiederzubeleben. Die Dimension der Verbrechen des Nationalsozialismus und die Millionen Opfer erforderten eine neue Form des Gedenkens, die nicht nur die eigenen Toten, sondern alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft einschloss.

1950 – Wiederbegründung durch den Bundestag

Der Deutsche Bundestag führte den Volkstrauertag offiziell wieder ein. Bundespräsident Theodor Heuss hielt die erste Gedenkrede im Bundestag. Wichtig war die neue Ausrichtung: Es ging nicht mehr nur um die eigenen Gefallenen, sondern um alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, einschließlich der Opfer des Nationalsozialismus.

1952 – Festlegung auf aktuellen Termin

Der Volkstrauertag wurde auf den zweiten Sonntag vor dem ersten Advent verlegt, also zwei Wochen vor dem Totensonntag. Diese zeitliche Nähe zum Totensonntag war bewusst gewählt, um eine Zeit des allgemeinen Gedenkens zu schaffen.

1993 – Erweiterung des Gedenkens

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Gedenken explizit auf die Opfer der kommunistischen Diktatur ausgeweitet. Der Volkstrauertag wurde zu einem gesamtdeutschen Gedenktag, der die Opfer aller Diktaturen und Gewaltregime einschließt.

Heute – Gedenken und Mahnung

Der Volkstrauertag ist heute ein Tag des stillen Gedenkens und zugleich eine Mahnung für Frieden, Versöhnung und Verständigung. Die zentrale Gedenkstunde im Bundestag wird live übertragen und von Millionen Menschen verfolgt. Der Tag hat seine Bedeutung als wichtiger Bestandteil der deutschen Erinnerungskultur bewahrt.

Die zentrale Gedenkstunde im Bundestag

Das Herzstück der Volkstrauertag-Zeremonien ist die zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag, die seit 1952 jährlich stattfindet und live im Fernsehen übertragen wird.

Ablauf der zentralen Gedenkstunde

Einzug und Begrüßung

Die Gedenkstunde beginnt um 13:30 Uhr mit dem Einzug der Spitzen des Staates: Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundestagspräsident, Mitglieder der Bundesregierung, Abgeordnete des Bundestages und Bundesrates sowie Vertreter der Verfassungsorgane. Auch Botschafter, Militärs und Vertreter des Volksbundes sind anwesend.

Musikalische Eröffnung

Die Veranstaltung wird durch das Blasorchester der Bundeswehr musikalisch gestaltet. Traditionell werden würdevolle, ernste Musikstücke gespielt, die die Atmosphäre des Gedenkens unterstreichen.

Gedenkrede

Der Bundestagspräsident oder die Bundestagspräsidentin hält die zentrale Gedenkrede. Diese Rede ist von großer politischer und gesellschaftlicher Bedeutung und wird oft zum Anlass genommen, aktuelle friedenspolitische Themen anzusprechen und vor Nationalismus, Extremismus und Gewalt zu warnen.

Totengedenken

Der Bundespräsident spricht das sogenannte Totengedenken, eine ritualisierte Gedenkformel, die verschiedene Opfergruppen benennt. Dieses Totengedenken wurde erstmals 1952 von Bundespräsident Theodor Heuss gesprochen und wird seitdem in ähnlicher Form fortgeführt.

Schweigeminute

Eine zentrale Schweigeminute wird eingelegt, in der alle Anwesenden im Stehen der Opfer gedenken. Diese Minute der absoluten Stille ist der emotional eindringlichste Moment der Zeremonie.

Nationale Hymne

Die Gedenkstunde endet mit dem gemeinsamen Singen oder Abspielen der deutschen Nationalhymne.

Kranzniederlegung

Im Anschluss an die Gedenkstunde findet eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache in Berlin statt, dem zentralen Gedenkort der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Das Totengedenken des Bundespräsidenten

Das Totengedenken folgt seit Jahrzehnten einem festen Ritual. Der Bundespräsident gedenkt in seiner Ansprache verschiedener Opfergruppen:

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde…“

— Auszug aus dem traditionellen Totengedenken

Wen gedenken wir am Volkstrauertag?

Der Volkstrauertag hat sich von einem ursprünglichen Gedenktag für gefallene Soldaten zu einem umfassenden Gedenken an alle Opfer von Gewalt entwickelt.

Opfergruppen des Gedenkens

  • Gefallene Soldaten: Soldaten aller Nationen, die in den beiden Weltkriegen und anderen bewaffneten Konflikten ihr Leben verloren
  • Zivile Kriegsopfer: Zivilisten, die durch Bombenangriffe, Kampfhandlungen, Hunger und Krankheit starben
  • Opfer des Holocaust: Sechs Millionen ermordete Juden und andere Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik
  • Verfolgte des NS-Regimes: Politisch Verfolgte, Sinti und Roma, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Widerstandskämpfer
  • Kriegsgefangene: Soldaten, die in Gefangenschaft starben oder ermordet wurden
  • Vertriebene und Flüchtlinge: Menschen, die auf der Flucht oder durch Vertreibung ums Leben kamen
  • Opfer von Diktaturen: Verfolgte und Ermordete in der DDR und anderen totalitären Regimen
  • Opfer von Terrorismus: Menschen, die durch terroristische Gewalt ihr Leben verloren
  • Bundeswehrsoldaten: Im Auslandseinsatz gefallene Soldaten der Bundeswehr
  • Helfer und Retter: Menschen, die bei Hilfseinsätzen oder beim Versuch, andere zu retten, starben

Diese breite Ausrichtung macht deutlich, dass der Volkstrauertag kein militaristischer Gedenktag ist, sondern ein humanitärer Tag der Trauer um alle Opfer von Gewalt, unabhängig von ihrer Nationalität, Religion oder politischen Überzeugung.

Unterschied zwischen Volkstrauertag und Totensonntag

Viele Menschen verwechseln den Volkstrauertag mit dem eine Woche später stattfindenden Totensonntag. Obwohl beide Tage dem Gedenken gewidmet sind, unterscheiden sie sich fundamental.

Volkstrauertag
Totensonntag
Datum: Vorletzter Sonntag vor dem 1. Advent (zwischen 13. und 19. November)
Datum: Letzter Sonntag vor dem 1. Advent (zwischen 20. und 26. November)
Charakter: Staatlicher, säkularer Gedenktag
Charakter: Kirchlicher, religiöser Gedenktag (evangelisch)
Initiator: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (1919)
Initiator: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1816)
Gedenken für: Opfer von Krieg, Gewalt und Gewaltherrschaft
Gedenken für: Alle Verstorbenen, persönliche Angehörige
Zentrale Veranstaltung: Gedenkstunde im Bundestag mit Staatsakt
Zentrale Veranstaltung: Gottesdienste in evangelischen Kirchen
Fokus: Kollektives Gedenken, politische Mahnung, Friedensauftrag
Fokus: Persönliches Gedenken, Auferstehungshoffnung, Ewigkeit
Praktiken: Kranzniederlegungen, Gedenkveranstaltungen, Reden
Praktiken: Friedhofsbesuche, Grabpflege, Kerzen anzünden
Reichweite: National, teilweise international
Reichweite: Lokal, familiär, kirchengemeindlich

Beide Tage haben ihre Berechtigung und ergänzen sich: Der Volkstrauertag richtet den Blick auf die kollektive Geschichte und die politische Verantwortung, während der Totensonntag Raum für persönliche Trauer und religiösen Trost bietet.

Symbole und Rituale des Volkstrauertags

Der Volkstrauertag wird durch bestimmte Symbole und Rituale geprägt, die ihm seine besondere Würde verleihen.

Kranzniederlegungen

Das zentrale Ritual sind Kranzniederlegungen an Kriegsdenkmälern, Mahnmalen und auf Friedhöfen. Kränze werden von Politikern, Militärvertretern, Veteranenverbänden und Bürgern niedergelegt. Die Kränze sind meist mit schwarz-rot-goldenen Schleifen versehen und symbolisieren Trauer und Respekt.

Die Neue Wache in Berlin

Die Neue Wache Unter den Linden in Berlin ist seit 1993 die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Im Inneren befindet sich eine vergrößerte Version der Skulptur „Mutter mit totem Sohn“ von Käthe Kollwitz. Am Volkstrauertag finden hier die wichtigsten Kranzniederlegungen statt.

Schweigeminute

Die Schweigeminute ist das zentrale Element des Gedenkens. In diesem Moment der absoluten Stille halten alle inne und gedenken der Toten. Die Schweigeminute schafft einen Raum der Sammlung und des persönlichen Gedenkens inmitten der öffentlichen Zeremonie.

Halbmast-Beflaggung

An öffentlichen Gebäuden werden am Volkstrauertag die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Dies ist ein international anerkanntes Zeichen der Trauer und des Respekts. Die Beflaggung erfolgt auf Anordnung der Bundesregierung.

Militärische Ehren

Bei Gedenkveranstaltungen spielt die Bundeswehr eine wichtige Rolle. Ehrenkompanien, Blasorchester und Musikkorps der Bundeswehr gestalten die Zeremonien musikalisch. Dies ehrt insbesondere die gefallenen Soldaten und unterstreicht den staatlichen Charakter des Tages.

Kriegsgräber und Soldatenfriedhöfe

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge pflegt Kriegsgräberstätten im In- und Ausland. Am Volkstrauertag finden an vielen dieser Orte Gedenkveranstaltungen statt. Die Gräber werden geschmückt und Kerzen angezündet.

Regionale und lokale Gedenkveranstaltungen

Neben der zentralen Gedenkstunde im Bundestag finden in ganz Deutschland zahlreiche lokale Veranstaltungen statt.

Kommunale Gedenkfeiern

Städte und Gemeinden organisieren eigene Gedenkveranstaltungen an lokalen Kriegerdenkmälern oder Ehrenmalen. Bürgermeister, Vertreter von Vereinen, Veteranen und Bürger kommen zusammen, um gemeinsam zu gedenken. Oft werden dabei auch die Namen der Gefallenen aus der jeweiligen Gemeinde verlesen.

Gottesdienste

Viele Kirchengemeinden halten am Volkstrauertag ökumenische Gottesdienste ab, die den Aspekt des Friedens und der Versöhnung in den Mittelpunkt stellen. Diese Gottesdienste verbinden das staatliche Gedenken mit religiöser Spiritualität.

Schulveranstaltungen

Schulen nutzen den Volkstrauertag für pädagogische Projekte. Schüler beschäftigen sich mit der Geschichte der Weltkriege, besuchen Gedenkstätten oder gestalten eigene Gedenkveranstaltungen. Manche Schulen organisieren Besuche auf Soldatenfriedhöfen.

Bundeswehr-Veranstaltungen

In Bundeswehr-Kasernen finden interne Gedenkveranstaltungen statt, bei denen besonders der gefallenen Kameraden im Auslandseinsatz gedacht wird. Diese Veranstaltungen haben oft einen stark militärischen Charakter mit Appellen und Ehrenformationen.

Regionale Besonderheiten

Norddeutschland

In Küstenregionen wird besonders der auf See gebliebenen Seeleute gedacht. Hafenstädte organisieren oft Gedenkveranstaltungen an den Häfen mit Kranzniederlegungen ins Wasser.

Bayern und Baden-Württemberg

In Süddeutschland haben Gedenkveranstaltungen oft einen stärker kirchlichen Charakter. Viele Gemeinden verbinden weltliche und religiöse Elemente in ihren Zeremonien.

Rheinland-Pfalz und Saarland

In Grenzregionen zu Frankreich finden häufig deutsch-französische Gedenkveranstaltungen statt, die die Versöhnung zwischen den ehemals verfeindeten Nationen symbolisieren.

Ostdeutschland

In den neuen Bundesländern wird seit 1990 verstärkt auch der Opfer der SED-Diktatur gedacht. Gedenkstätten wie Berlin-Hohenschönhausen werden zu wichtigen Orten des Erinnerns.

Der Volkstrauertag als stiller Feiertag

Der Volkstrauertag ist in allen deutschen Bundesländern als stiller Feiertag gesetzlich geschützt, ähnlich wie der Totensonntag.

Gesetzliche Regelungen

Was ist am Volkstrauertag verboten oder eingeschränkt?

  • Tanzveranstaltungen: In allen Bundesländern sind Tanzveranstaltungen ganztägig oder zeitweise verboten
  • Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen: Veranstaltungen mit Unterhaltungscharakter sind untersagt oder eingeschränkt
  • Sportveranstaltungen: Große Sportveranstaltungen mit Zuschauern werden vermieden oder verlegt
  • Märkte und Messen: Volksfeste, Jahrmärkte und ähnliche Veranstaltungen sind nicht erlaubt
  • Laute Musik: In Gaststätten ist laute Musik oft untersagt

Die konkreten Regelungen variieren von Bundesland zu Bundesland. In Bayern gelten beispielsweise besonders strenge Regeln, während in anderen Bundesländern mehr Ausnahmen möglich sind. Generell gilt: Der würdevolle Charakter des Tages soll geschützt werden.

Geschäfte und Öffnungszeiten

Da der Volkstrauertag auf einen Sonntag fällt, gilt ohnehin die reguläre Sonntagsruhe. Geschäfte sind geschlossen, Restaurants und Cafés dürfen öffnen, sollten aber eine dem Gedenktag angemessene Atmosphäre wahren.

Die Rolle des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist untrennbar mit dem Volkstrauertag verbunden und spielt eine zentrale Rolle bei dessen Organisation und Durchführung.

Geschichte und Aufgaben

Der Volksbund wurde 1919 gegründet mit dem Ziel, die Gräber der deutschen Kriegstoten zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Nach dem Ersten Weltkrieg lagen Hunderttausende deutscher Soldaten in provisorischen Gräbern in ganz Europa. Der Volksbund übernahm die Aufgabe, diese Gräber zu würdigen und Angehörigen einen Ort der Trauer zu geben.

Heutige Arbeit

Heute betreut der Volksbund 832 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Die Organisation finanziert sich hauptsächlich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie durch staatliche Zuschüsse. Jährlich führt der Volksbund die Haus- und Straßensammlung durch, bei der Millionen Euro für die Kriegsgräberfürsorge gesammelt werden.

Bildungsarbeit

Ein wichtiger Teil der Arbeit ist die Jugend- und Bildungsarbeit. Der Volksbund organisiert Workcamps, bei denen junge Menschen aus verschiedenen Ländern gemeinsam Kriegsgräberstätten pflegen und sich mit der Geschichte auseinandersetzen. Diese Begegnungen tragen zur Verständigung und zum Frieden bei.

Der Volkstrauertag in der Kritik

Wie viele Gedenktraditionen ist auch der Volkstrauertag nicht frei von Kontroversen und kritischen Diskussionen.

Kritikpunkte

Militarisierung des Gedenkens?

Einige Kritiker bemängeln, dass durch die starke Beteiligung der Bundeswehr und militärische Rituale der Volkstrauertag zu militaristisch wirke. Sie fordern eine stärkere Betonung ziviler Friedensarbeit und weniger militärisches Zeremoniell.

Vermischung von Tätern und Opfern?

Ein sensibles Thema ist die Frage, ob am Volkstrauertag auch der deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs gedacht werden sollte, die Teil eines Vernichtungskriegs waren. Kritiker argumentieren, dass dies zu einer Gleichsetzung von Opfern und Tätern führen könne. Befürworter betonen, dass zwischen politischer Verantwortung und individuellem Schicksal unterschieden werden müsse.

Relevanz für jüngere Generationen

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zu den Weltkriegen stellt sich die Frage, wie der Volkstrauertag für jüngere Menschen relevant bleiben kann. Bildungsarbeit und die Verbindung zu aktuellen Konflikten werden als wichtig erachtet.

Verteidigung der Tradition

Befürworter des Volkstrauertags argumentieren, dass gerade in Zeiten neuer Konflikte und wachsenden Nationalismus ein Tag des Gedenkens und der Mahnung unverzichtbar sei. Der Volkstrauertag erinnere daran, wohin Hass, Gewalt und Krieg führen, und sei damit hochaktuell.

Moderne Entwicklungen und Zukunft

Der Volkstrauertag entwickelt sich mit der Zeit weiter und passt sich neuen Herausforderungen an.

Neue Formen des Gedenkens

  • Digitale Gedenkkultur: Online-Gedenkportale, virtuelle Ausstellungen und Social-Media-Kampagnen erreichen jüngere Zielgruppen
  • Internationale Perspektiven: Verstärkte Einbeziehung der Perspektiven anderer Nationen und Opfergruppen
  • Zeitzeugenprojekte: Solange noch möglich, werden Zeitzeugen eingebunden; ihre Berichte werden digital archiviert
  • Aktuelle Bezüge: Verbindung zu gegenwärtigen Konflikten, Flucht und Vertreibung
  • Jugendpartizipation: Stärkere Einbindung junger Menschen in die Gestaltung von Gedenkveranstaltungen

Der Volkstrauertag in Europa

Viele europäische Länder haben ähnliche Gedenktage. In Großbritannien ist es der Remembrance Day (11. November), in Frankreich der Armistice Day. Diese Tage bieten Gelegenheit für gemeinsames europäisches Gedenken und unterstreichen die Bedeutung von Frieden und Versöhnung.

Die Friedensbotschaft des Volkstrauertags

Der zentrale Auftrag des Volkstrauertags ist nicht nur die Erinnerung an die Vergangenheit, sondern die Mahnung für die Zukunft. „Nie wieder Krieg“ und „Nie wieder Faschismus“ sind die Leitgedanken, die aus dem Gedenken erwachsen. Der Volkstrauertag will zum Frieden mahnen, zur Versöhnung aufrufen und vor den Gefahren von Nationalismus, Extremismus und Gewalt warnen.

In einer Zeit, in der in Europa und der Welt wieder Kriege geführt werden, in der Millionen Menschen auf der Flucht sind und in der demokratische Werte unter Druck stehen, ist diese Botschaft aktueller denn je.

Volkstrauertag in Zahlen

1919 Jahr der ersten Anregung durch den Volksbund
832 Kriegsgräberstätten werden vom Volksbund betreut
2,8 Mio. Kriegstote ruhen auf Volksbund-Gräberstätten
46 Länder, in denen der Volksbund tätig ist

Praktische Informationen zum Volkstrauertag

Teilnahme an Gedenkveranstaltungen

Jeder kann am Volkstrauertag an Gedenkveranstaltungen teilnehmen. Informationen über lokale Veranstaltungen erhalten Sie bei Ihrer Gemeinde- oder Stadtverwaltung. Die zentrale Gedenkstunde im Bundestag wird live im Fernsehen übertragen und ist auch im Internet per Livestream verfügbar.

Eigenes Gedenken gestalten

Auch privat können Sie den Volkstrauertag würdevoll gestalten:

  • Besuchen Sie ein Kriegerdenkmal oder einen Soldatenfriedhof in Ihrer Nähe
  • Legen Sie Blumen nieder oder zünden Sie eine Kerze an
  • Informieren Sie sich über die Geschichte der Weltkriege und deren Opfer
  • Sprechen Sie mit älteren Familienmitgliedern über ihre Kriegserlebnisse
  • Besuchen Sie eine Gedenkstätte oder ein Museum
  • Unterstützen Sie den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit einer Spende

Bildungsangebote nutzen

Der Volksbund und viele andere Organisationen bieten Bildungsmaterialien und Programme zum Volkstrauertag an. Lehrer finden Unterrichtsmaterialien, Schulen können Führungen auf Kriegsgräberstätten buchen, und Jugendliche können an internationalen Workcamps teilnehmen.

Fazit: Erinnern für die Zukunft

Der Volkstrauertag ist weit mehr als eine historische Traditionspflege. Er ist ein lebendiger Teil unserer Erinnerungskultur, der uns hilft, aus der Vergangenheit zu lernen und Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. In einer Welt, die von Konflikten, Terror und Gewalt geprägt ist, erinnert uns dieser Tag daran, welch unermessliches Leid Krieg und Gewaltherrschaft über die Menschen bringen.

Das Gedenken am Volkstrauertag ist nicht rückwärtsgewandt, sondern zukunftsorientiert. Es geht nicht um Heldenverehrung oder nationale Selbstdarstellung, sondern um eine ehrliche Auseinandersetzung mit unserer Geschichte, um Mitgefühl für alle Opfer und um den festen Willen, dass sich solches Leid nie wiederholen darf.

Die zentrale Botschaft des Volkstrauertags ist zeitlos: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein kostbares Gut, das immer wieder neu errungen und bewahrt werden muss. Jede Generation trägt die Verantwortung, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und sich für eine Welt einzusetzen, in der Konflikte friedlich gelöst werden, in der Menschenrechte geachtet werden und in der die Würde jedes einzelnen Menschen unantastbar ist.

Der Volkstrauertag lädt uns alle ein, innezuhalten, zu gedenken und nachzudenken – über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, die wir gestalten wollen. Er erinnert uns daran, dass hinter jeder Zahl, hinter jedem Namen auf einem Kriegerdenkmal, ein Mensch mit Träumen, Hoffnungen und Lieben stand. Diese Menschlichkeit im Blick zu behalten und jeden Toten als individuelles Schicksal zu begreifen, ist vielleicht die wichtigste Lehre dieses Gedenktags.

Nehmen Sie sich am Volkstrauertag einen Moment Zeit für das Gedenken – ob vor dem Fernseher bei der Übertragung aus dem Bundestag, bei einer lokalen Gedenkveranstaltung oder in einem stillen Moment für sich selbst. Jede Form des aufrichtigen Gedenkens trägt dazu bei, die Erinnerung wachzuhalten und die Mahnung für den Frieden weiterzugeben. Denn nur wer sich erinnert, kann verhindern, dass Geschichte sich wiederholt.

Wann ist der Volkstrauertag und wie wird das Datum bestimmt?

Der Volkstrauertag findet jährlich am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent statt, also zwei Wochen vor Beginn der Adventszeit. Das bedeutet, er fällt immer zwischen den 13. und 19. November. Im Jahr 2025 ist der Volkstrauertag am 16. November. Da der erste Advent ein bewegliches Datum ist, verschiebt sich auch der Volkstrauertag von Jahr zu Jahr.

Was ist der Unterschied zwischen Volkstrauertag und Totensonntag?

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft und findet zwei Wochen vor dem ersten Advent statt. Der Totensonntag ist ein kirchlicher Gedenktag der evangelischen Kirche für alle Verstorbenen und wird eine Woche nach dem Volkstrauertag begangen. Der Volkstrauertag hat einen politisch-gesellschaftlichen Charakter mit zentraler Gedenkstunde im Bundestag, während der Totensonntag religiös geprägt ist mit Gottesdiensten und persönlichem Friedhofsbesuch.

Ist der Volkstrauertag ein gesetzlicher Feiertag?

Nein, der Volkstrauertag ist kein gesetzlicher Feiertag im Sinne eines arbeitsfreien Tages. Er ist jedoch in allen deutschen Bundesländern als stiller Feiertag gesetzlich geschützt. Das bedeutet, dass Tanzveranstaltungen verboten sind, öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen eingeschränkt werden und eine würdevolle Atmosphäre gewahrt bleiben soll. Da er auf einen Sonntag fällt, gilt ohnehin die reguläre Sonntagsruhe.

Wem gedenken wir am Volkstrauertag?

Am Volkstrauertag gedenken wir allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft: gefallenen Soldaten aller Nationen, zivilen Kriegsopfern, Opfern des Holocaust, Verfolgten des NS-Regimes, Kriegsgefangenen, Vertriebenen und Flüchtlingen, Opfern von Diktaturen wie der DDR, Opfern von Terrorismus sowie im Auslandseinsatz gefallenen Bundeswehrsoldaten. Der Volkstrauertag ist damit ein umfassendes Gedenken an alle Menschen, die durch Gewalt, Krieg und Verfolgung ihr Leben verloren haben.

Was passiert in der zentralen Gedenkstunde im Bundestag?

Die zentrale Gedenkstunde findet jährlich um 13:30 Uhr im Deutschen Bundestag statt und wird live übertragen. Der Ablauf umfasst: Einzug der Staatsspitzen, musikalische Gestaltung durch das Blasorchester der Bundeswehr, Gedenkrede des Bundestagspräsidenten, das Totengedenken durch den Bundespräsidenten, eine Schweigeminute und die Nationalhymne. Anschließend findet eine Kranzniederlegung an der Neuen Wache in Berlin statt.

Wer hat den Volkstrauertag eingeführt und warum?

Der Volkstrauertag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen, um der über 17 Millionen Toten des Ersten Weltkriegs zu gedenken. Die erste offizielle Gedenkstunde fand 1922 im Reichstag statt. Nach dem Missbrauch durch die Nationalsozialisten (Umbenennung in Heldengedenktag 1934-1945) wurde der Volkstrauertag 1950 durch den Deutschen Bundestag neu eingeführt, nun mit erweitertem Fokus auf alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, nicht nur auf Soldaten.

Was ist am Volkstrauertag verboten?

Als stiller Feiertag gelten am Volkstrauertag besondere Einschränkungen: Tanzveranstaltungen sind bundesweit verboten, öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen wie Volksfeste oder Konzerte sind untersagt, große Sportveranstaltungen mit Zuschauern werden vermieden, Märkte und Messen dürfen nicht stattfinden, und laute Musik in Gaststätten ist oft verboten. Die konkreten Regelungen variieren zwischen den Bundesländern. Ziel ist es, eine würdevolle Atmosphäre des Gedenkens zu wahren.

Letzte Bearbeitung am Montag, 20. Oktober 2025 – 10:50 Uhr von Alex, Webmaster für Google und Bing SEO.

Volkstrauertag: Zum Datum springen, inkl 2026, 2027 und 2028

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