Der Sonntag als Ruhetag

„Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen“. Dieser Satz entstammt dem alten Testament aus der Übersetzung der Luther-Bibel und bezieht sich natürlich, nein, nicht auf den Sonntag, sondern auf den Samstag, besser gesagt auf den Sabbat des jüdischen Glaubens, von dem die heutige Namensgebung Samstag abstammt. Über viele Jahrhunderte war es der Samstag, der als siebter Tag der Woche galt und diese praktisch abschloss, natürlich nur im christlichen beziehungsweise im jüdischen Glauben. Der Sonntag, um den es hier geht, war und ist teilweise auch heute noch der erste Tag der Woche. So etwa wird in nicht wenigen Kalendern des englischsprachigen Raumes die Woche von Sonntag bis Samstag gelistet und nicht wie im überwiegenden Mitteleuropa von Montag bis Sonntag. 

Wann wurde aus dem Ruhetag Samstag der Ruhetag Sonntag?

Schönes WochenendeDas Christentum entstammt mit seinen Traditionen ursprünglich dem jüdischen Glauben, indem nach wie vor der Samstag der Tag der Ruhe ist. Durch die Verbreitung des Christentums kamen immer mehr Menschen zum christlichen Glauben, die ursprünglich nichts mit dem Sabbat oder Samstag in Verbindung brachten und es war der Sonntag, der nach den Evangelien der Tag der Auferstehung Jesu war und an diesem Tag, dem ersten Tag der Woche, wurde diese Auferstehung von den Christen mit sogenannten Mahlfeiern begangen. Das ist aber nur ein Aspekt für die Festlegung des Sonntages als Ruhetag. Wesentlich stärkeren Einfluss darauf hatte ein römischer Gott. 

Sol Invictus

„Unbesiegter Sonnengott“, so die Übersetzung für Sol Invictus, den römischen Sonnengott. Er ist einer der ältesten Götter des römischen Reiches, der der Sage nach schon zur Gründung Roms bestand hatte und dessen Einführung erfolgte durch den sagenhaften König Titus Tatius, der wiederum das damals noch junge Rom belagerte. Dies tat er wiederum, weil deren Gründer Romulus und Remus aufgrund eines erheblichen Frauenmangels in ihrer Stadt auf die Idee kamen, ein Kampfspiel abzuhalten und dazu die Bewohner der Nachbarstädte einluden. Darunter auch die Sabiner. Die Folge war, das Romulus und Remus während der Kampfspiele die Frauen der Sabiner raubten, was als eine Sage, „der Raub der Sabinerinnen“, in die Geschichte einging. Dieser König Titus Tatius, König der Sabiner, herrschte schlussendlich zusammen mit Romulus und Remus über das noch junge Rom und führte in diesem Rahmen den Sonnengott Sol ein. Das ganze soll sich etwa 750 Jahre vor Christi Geburt abgespielt haben. Sol und Luna, die Mondgöttin, waren zu dieser Zeit zwei eher unwichtige Götter des angehenden römischen Imperiums und erst zu Anfang der neuen Zeitrechnung nahm im Besonderen die Bedeutung Sols als schützender Gott der römischen Kaiser an Bedeutung zu. 

Konstantin der Große

Der römische Kaiser Konstantin gilt in der Geschichte als erster christlicher Kaiser des römischen Reiches, obwohl dies nicht ganz richtig ist. Konstantin gewährte aber ab dem Jahr 313 im gesamten römischen Reich die Religionsfreiheit und gab nebenbei den bis dahin verfolgten Christen einige Privilegien. Obwohl Konstantin mit dem Christentum sympathisierte, war er gleichzeitig ein großer Verehrer des Sonnengottes. In diesem Rahmen erfolgte langsam ein Übergang der Symbolik. Die Sonne wurde zum Symbol für den christlichen Gott. Zu dieser Zeit kannten die Römer bereits die7-Tage-Woche, deren Bezeichnungen noch aus babylonischer Zeit stammte und von den alten sieben Planeten übernommen wurde. Konstantin schrieb die 7-Tage-Woche im Jahr 321 n. Chr. gesetzlich fest und machte den ersten Tag der Woche zum arbeits- und gerichtsfreien Tag. Dieser erste Tag war Sol oder Solis gewidmet, dem Planet Sonne, und wurde später von den Germanen eingedeutscht in Sunnuntag und später Sonntag, woraus sich auch das englische Sunday ableitet, da das ursprüngliche Englisch auf der germanischen Sprache basiert. Die im spanischen und italienischen gebräuchliche Bezeichnung Dominica entstand aus der lateinischen Übersetzung und bedeutet schlicht: Tag des Herren. 

Der Sonntag im Lauf der Geschichte

Da das römische Reich schon zu Zeiten Konstantin des Großen einige Krisen hinter sich gebracht hatte und als west- und oströmisches Reich nur noch bis ins Jahr 395 Bestand hatte und sich ab diesem Zeitpunkt im westlichen Teil langsam in Auflösung befand, konnte auch eine stabilisierende Staatsmacht nicht mehr eingreifen. Mit dem Ende des weströmischen Reiches etwa ab dem Jahr 480 und den daran anschließenden Machtkämpfen, die überall in Mitteleuropa entbrannten, verlor der Sonntag als arbeitsfreier Tag erst einmal seine Bedeutung. Im Frühmittelalter gab es dann auch keine Sonntagsruhe mehr. Erst im Mittelalter wurden die kirchlichen Gebote wieder stärker beachtet und der Sonntag als Ruhetag wieder propagiert. Dem Reformator Luther war der Sonntag als Ruhetag deshalb wichtig, weil an diesem Tag die ungebildeten Menschen Gelegenheit hatten, sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen. 

Der Sonntag in der Neuzeit

Bis in das 18. Jahrhundert war der Sonntag wieder ein von allen Christen beachteter Ruhetag. Dann begann langsam die Industrialisierung der Gesellschaften in Europa und der Sonntag wurde wiederum weniger als arbeitsfreier Tag beachtet. Eine 7-Tage-Arbeitswoche war im 18.- und auch 19. Jahrhundert noch durchaus üblich. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden erste Arbeitsgesetze eingeführt, die den Sonntag als arbeitsfreien Tag festschrieben. 

Der Sonntag heute

Auch heute wird der Sonntag aufgrund einer Rund-um-die-Uhr-Produktion oder jederzeit abrufbarer Dienstleistungen immer mehr in Frage gestellt. In England etwa darf aufgrund einer Gerichtsentscheidung seit dem Jahr 2013 die Sonntagsarbeit nicht abgelehnt werden. Der europäische Gerichtshof nahm die Klausel des gesetzlich als arbeitsfrei festgeschriebenen Sonntags bereits in den 90er Jahren aus der Gesetzgebung heraus. Trotzdem gilt in weiten Teilen Mitteleuropas wie auch Nord- und Südamerikas der Sonntag als Ruhetag, was übrigens gerade in der Neuzeit eher den Gewerkschaften, denn christlichen Werten zu verdanken ist. Genauso verhält es sich mit dem weitgehend arbeitsfreien Werktag Samstag. Das heute von vielen Deutschen geschätzte Wochenende mit zwei freien Arbeitstagen besteht in Deutschland übrigens erst seit dem Jahr 1967.