Sommersonnenwende 2019

Sommerwende BildDie astronomischen Grundlagen der Sommersonnenwende

Die Sommersonnenwende markiert den längsten Tag des Jahres. Infolge der um 23 Grad geneigten Erdachse, sind Nord- und Südhalbkugel der Erde der Sonne im Jahresverlauf mal näher und mal weniger nahe. Auf der Nordhalbkugel ist der 21. Juni schließlich der Tag im Jahr, an dem die Sonne ihren höchsten Stand über den Horizont erreicht hat, und die Nacht somit am kürzesten, der Tag am längsten ist. Mit dem darauffolgenden Tag werden die Nächte wieder länger – ein Prozess, der sich erst mit der Wintersonnenwende umkehrt.

Die Sommersonnenwende in den Kulturen

Bei fast allen Völkern der Erde finden sich – hier mehr, dort weniger stark ausgeprägt – Bräuche oder Feste, die den Tag der Sommersonnenwende zelebrieren. Schon in prähistorischen Zeiten, also lange bevor die Menschen detaillierte Kenntnisse von der zugrundeliegenden astronomischen Vorgängen besaßen, maßen die Völker den Sonnenwenden besondere Bedeutung bei. Nicht selten deuteten sie die Geschehnisse als magisch oder sahen darin das Wirken der Götter. Die Sonnenwendetraditionen, die im Europa der Gegenwart bekannt sind, sind in den meisten Fällen das Ergebnis einer Vermischung von christlichen Vorstellungen mit älteren regionalen Sonnenwende-Bräuchen. Nachfolgend eine kleine Auswahl solcher Traditionen in unterschiedlichen Kulturen und Zeiten.

Die Sommersonnenwende in der Steinzeit...

Schon im Neolithikum waren die Menschen in der Lage, das Datum der Sommersonnenwende vorab zu bestimmen. So nimmt man an, dass die mehr als 5000 Jahre alte Felsanlage Stonehenge in der englischen Grafschaft Wiltshire unter anderem als Kalender gedient haben könnte, in dem neben anderen Himmelsphänomenen auch die Sommersonnenwende prominent angezeigt wird. Sogar noch älter ist das sogenannte Sonnenobservatorium im sachsen-anhaltischen Goseck.

...bei den Germanen und den Kelten...

Generell sind die Feierlichkeiten zu Ehren der Sommersonnenwende in solchen Ländern bzw. Kulturen besonders stark ausgeprägt, in denen der Lauf der sich verändernden Jahreszeiten einen besonders starken Einfluss auf das Leben und Überleben der dort ansässigen Menschen hatte. Etwas anders ausgedrückt: In Kulturen, deren Leben zu einem erheblichen Teil von Dunkelheit und Kälte bestimmt waren. Neben den Völkern Skandinaviens sind da die mitteleuropäischen Germanen, die Kelten auf den britischen Inseln, aber auch die Slawen zu nennen. Gerade die Sommersonnenwende war dort nicht einfach ein Fest unter vielen, sondern stellt den Höhepunkt im Kalender dar. An diesem Tag – und mehr noch in der im folgenden Nacht, der kürzesten des Jahres – wurde auf mitunter turbulente Weise der Fruchtbarkeitsgöttin in ihrer jeweiligen regionalen Vorstellung gehuldigt. Unsere modernen sommerlichen Volksfeste – mit Musik, mit Spielen, Speisen und (alkoholischen) Getränken – gehen vermutlich auf solche frühen Bräuche zurück.

..und in Skandinavien

Noch bedeutsamer waren – und sind – die Festlichkeiten zu Ehren der Sommersonnenwende allerdings in den Ländern Skandinaviens. Je weiter nach Norden man sich bewegt, desto kürzer ist die kürzeste Nacht des Jahres, bis hin zu Regionen, in denen es in den Sommermonaten fast gar nicht dunkel wird. Als Mittsommer wird diese Zeit, und insbesondere der Tag der eigentlichen Sommersonnenwende dort bezeichnet, und wird symbolisch durch das Anzünden von Feuern, mit Fackelumzügen, ausgedehnten Festmahlen begangen – meist draußen, unter dem fast taghellen Nachthimmel, oder auch in Form von ritualisierten Spaziergängen durch die dann von Magie erfüllten Wälder.

Das Christentum und die Sommersonnenwende

In den meisten Kulturen, und vor allem bei den gerade genannten Völkern des nördlichen und mittleren Europas, wird die Sommersonnenwende von ausgesprochen positiven Assoziationen begleitet, und so ist sie in vielen Ländern Skandinaviens noch heute neben Weihnachten das wichtigste Fest des Jahres.

Doch apropos Weihnachten: Fast hätte die Ausbreitung des Christentums in Europa dazu geführt, dass die Tradition der Sommersonnenwende verloren gegangen wäre. Lange Zeit war die Kirche nämlich bemüht, die als heidnisch angesehenen und entsprechend verpönten Bräuche zu beseitigen, was allerdings nie wirkungsvoll gelang. Eine Art Kompromiss, der daraus folgte, war die Johannisnacht, eine Feier zu Ehren Johannes des Täufers, die auf den 24. Juli festgesetzt wurde und die meisten heidnische Bräuche einfach übernahm. Im Laufe der Jahrhunderte ist zwar auch diese Tradition allmählich verblasst, aber nie ganz verschwunden. Als Folge des modernen Bedürfnisses vieler Menschen, den Bräuchen von einst und damit auch dem Lauf der Natur wieder näher zu kommen, entdecken heute wieder mehr und mehr Menschen den Reiz und die Magie der mittsommerlichen Traditionen.

Wann ist Sommersonnenwende 2019?